Formen der Liebe

Wer im Internet nach „Liebesformen“ bzw. „Liebesstilen“ sucht, stößt häufig auf die griechischen/ lateinischen Begriffe „Eros“, „Philia“, „Agape“, „Pragma“, „Mania“ und „Ludus“. Oder er landet bei Artikeln, die sich mit modernen Formen der Liebes- und Lebensführung beschäftigen – wie bspw. der „Polyamorie“.

 

Bevor ich erläutere, worum es mir auf diesen Seiten geht, möchte ich zunächst auf die oben genannten Begriffe eingehen, weil sie eine schöne Einleitung für die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Liebesbegriffen darstellen. Übersetzt stehen die im ersten Absatz aufgeführten Liebesformen für die sinnliche Liebe (Eros), die spielerische Liebe (ludus), die freundschaftliche Liebe (philia), die selbstlose Liebe (agape), die besitzergreifende Liebe (mania) und die pragmatische Liebe (pragma).

 

Zunächst - und auch nur oberflächlich - will ich mit den Liebesformen beginnen, die mit der partnerschaftlichen Liebe nichts zu tun haben. Die „selbstlose Liebe“ taucht oft in einem religiösen Kontext auf und meint dann göttliche Liebe oder Nächstenliebe. Darüber hinaus wird sie auch mit Mitgefühl/ Empathie oder uneigennütziger Hilfsbereitschaft gleichgesetzt. Im Idealfall gilt dies auch für die Liebe der Eltern zu ihren Kindern. Unter „freundschaftlicher Liebe“ ist eine vor allem seelische Verbundenheit gemeint - jenseits von partnerschaftlichen Lebensgemeinschaften und sexuellem Begehren.

 

Die „spielerische Liebe“ meint Spiel mit Erotik und Verführung. Sie stellt Leidenschaft und sexuelles Begehren im Hier und Jetzt in den Vordergrund, ohne auf eine dauerhafte emotionale Verbundenheit abzuzielen. Damit ist sie eher eine Spezialform der „sinnlichen Liebe“. Diese kommt im Kern unseren heutigen Vorstellungen von „romantischer Liebe“ nahe und ist u.a. verknüpft mit der Erwartung den Einzigen bzw. die Einzige zu finden, der/die „für einen gemacht" zu sein scheint. Im Idealfall führt dann die gegenseitige Liebe zu einer Aufwertung des eigenen Lebens und die magische Anziehung zwischen den Liebenden sichert auch dauerhaftes leidenschaftliches Begehren.

 

Moderne Liebes-/Lebensstile wie die Polyamorie versuchen eine Antwort auf das inzwischen häufige Scheitern dieses romantischen Liebes-Ideals. Von diesem Beziehungsmodell versprechen sich deren Anhänger, die Erfüllung verschiedener - zum Teil widersprüchlicher - Bedürfnisse miteinander vereinbaren zu können – nämlich einerseits sicherheitsorientierte Wünsche nach lebenslanger Verbundenheit und Geborgenheit sowie andererseits sexuelle Erfüllung bzw. erotische Abwechslung.

 

Insofern ist Polyamorie eine neuzeitliche Gestaltungsform der „pragmatischen Liebe“, die Liebe eher als Investition in eine Partnerschaft mit möglichst vielen gemeinsamen Zielen betrachtet (z.B. Familiengründung, sichere wirtschaftliche Existenz, Erwerb von Wohneigentum, aber auch Vermeidung von Einsamkeit). Unter dem Aspekt der Nützlichkeit wird der „passende Partner“ zu finden versucht, um mit diesem eine Lebensgemeinschaft zu bilden, in der vor allem Autonomie, Gleichberechtigung und Selbstverwirklichung als gemeinsame Beziehungsideale gelten.

 

Die „besitzergreifende Liebe“ - last but not least - kann man schon eher als krankhafte Liebe oder Liebeswahn bezeichnen („mania“ bedeutet Raserei/Wahnsinn). Die Fixierung auf den idealisierten Partner zielt u.a. auf gegenseitige Abhängigkeit und jederzeitige Verfügbarkeit ab. Damit gehen in der Regel einher: Einengung durch Kontrolle des Partners, ständiges Buhlen um Aufmerksamkeit, Neigung zu starker Eifersucht und Vermeidung von längeren Phasen des Getrennt-Seins.

 

In den Unterkapiteln dieses Abschnitts, die Sie in der linken Navigationsleiste finden, beschäftige ich mich ausschließlich mit Liebesformen, die sich entweder auf die Liebe zu einem Partner, die Eltern-Kind-Liebe oder die Liebe zum eigenen Selbst beziehen. Besonders wichtig sind mir dabei die folgenden Abgrenzungen:

 

Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt!

(Albert Schweitzer)