Charaktere und Typen (Persönlichkeits-Typologien)

Im Kapitel „Persönlichkeit“ habe ich ausführlich beschrieben, mit Hilfe welcher Persönlichkeitsmerkmale und -eigenschaften Psychologen in den letzten etwa 100 Jahren versucht haben, menschliches Fühlen, Denken und Verhalten zu beschreiben bzw. zu erklären. In diesem Kapitel geht es nun darum, sich die Persönlichkeitsmodelle näher anzuschauen, die sich über die Beschreibung komplexerer „Typen“ dem Phänomen der Persönlichkeit genähert haben.

 

In diesen „Typologien“ werden mehrere zusammengehörige Eigenschaften gebündelt, die als besonders charakteristisch für einen bestimmten Persönlichkeitstypus angesehen werden. Wie viele Typen unterschieden werden ist von Modell zu Modell verschieden. In der Regel wird ein Mensch aber genau einem Persönlichkeitstypus zugeordnet. Vereinfacht gesagt ist es mit einem Schubladensystem vergleichbar. Man gehört entweder in die rote, die grüne, oder die blaue Schublade. Jede Schublade hat ihre genau definierten Eigenschafts-Bündel. Eine Spezialform hiervon sind Modelle, die zwar verschiedene Schubladen definieren, aber nicht ausschließen, dass Menschen auch in zwei (in Ausnahmefällen sogar mehrere) bevorzugte Schubladen fallen können.

Wie sinnvoll sind überhaupt Typen-Modelle, um Persönlichkeiten zu klassifizieren? Es ist zwar unstreitig, dass jeder Mensch ein Individuum mit ganz eigenen Neigungen, Vorlieben und persönlichen Besonderheiten ist. Die Psychologie versucht jedoch - wie jede andere wissenschaftliche Disziplin auch - mit Hilfe von Modellen, Komplexität zu reduzieren. Aus all den Unterschieden sollen diejenigen Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden, die besonders „typisch“  für das Verhalten einer bestimmten „Sorte Mensch“ sind. Dabei sind die Ziele, für die solche Modelle eingesetzt jedoch werden, durchaus verschieden.

 

In der Persönlichkeitspsychologie geht es unter anderem darum, besonders prägnante Denk- und Verhaltensmuster zu erfassen und deren innerpsychische Ursachen zu ergründen. Treten verschiedene Persönlichkeitsmerkmale gehäuft zusammen auf, haben Sie vielleicht eine gemeinsame Basis. Durch die Bündelung zu einem Persönlichkeitstypus versucht man sich dann der Frage zu nähern, welche Faktoren solchen häufig zusammen auftretenden Eigenschaften zugrunde liegen (z.B. familiäre Prägungen, gesellschaftliche Rahmenbedingungen etc.). Dadurch erhalten Psychologen und Psychotherapeuten, aber auch Soziologen wertvolle Hinweise für ihre Arbeit.

 

Ähnliche Überlegungen gelten für die Psychiatrie. Der Unterschied ist, dass man sich hier nahezu ausschließlich mit den krankhaften Persönlichkeitsausprägungen beschäftigt. Die psychiatrische Krankheitslehre redet in diesem Zusammenhang von den so genannten „Persönlichkeitsstörungen“. Das Prinzip ist jedoch das gleiche: Immer wieder gemeinsam auftretende Verhaltensauffälligkeiten werden zu einer Persönlichkeitsstörung zusammengefasst.

 

Einen etwas anderen Fokus haben die Typologien, denen die in Unternehmen eingesetzten Persönlichkeitstests zugrunde liegen (hier insbesondere das „DISG“-Modell oder der „MBTI“). Hier geht es zumeist entweder um die Bewerberauswahl oder um die Feststellung von individuellen Entwicklungspotentialen oder auch um die Zusammensetzung von möglichst heterogenen Teams, deren Stärken und Schwächen sich möglichst ergänzen sollen. Da hier berufliche Stärken- oder Entwicklungsprofile im Vordergrund stehen, beschreiben diese Typenmodelle in der Regel Persönlichkeitsfaktoren, die im Berufsleben von besonderem Interesse sind.

 

Die Liebe ist die kleine Schwester des geliebten Lebens!

(Botho Strauss)