Denken (Ereignisse erleben durch kognitive Bewertungen)

Was ist der Unterschied zwischen einem Ereignis und einem Erlebnis? Ein Autounfall beispielsweise „ereignet“ sich objektiv und kann von allen Beteiligten über ihre Sinne gleichermaßen wahrgenommen werden. Jeder der Beteiligten „erlebt“ ihn aber anders. Zahlreiche Beispiele aus unserem Alltag - insbesondere in Partnerschaften regelmäßig zu beobachten - bezeugen diesen Unterschied.

 

Damit aus einem objektiven Ereignis ein subjektives Erlebnis wird, werden mehrere ganz persönliche Filter durchlaufen. Neben unserer selektiven Wahrnehmung sowie den Gefühlen und Körperempfindungen, die das Beobachtete in uns auslöst, spielt auch eine wesentliche Rolle, wie wir es gedanklich bewerten. Und dieser verstandesmäßige („kognitive“) Bewertungsprozess ist seinerseits vielschichtig. In ihn fließen unter anderem ein:

  • Die Ähnlichkeit des Ereignisses mit bisher gemachten Erfahrungen
  • Die abgespeicherten Informationen aus diesen früheren Erfahrungen (entscheidend beeinflusst durch unsere jeweiligen positiven und negativen Empfindungen)
  • Unsere Normen, Werte und Grundüberzeugungen
  • Unsere Vorlieben, Ziele und Wünsche
  • Unsere Sicht auf uns Selbst (Selbstsicherheit oder Selbstzweifel)
  • Wie sehr wie uns einer Situation gewachsen fühlen (Kompetenz oder Hilflosigkeit)

 

Aus dieser (nicht abschließenden) Aufzählung wird deutlich, welch enorme Arbeitsleistung diejenigen Teile des Gehirns, die unsere kognitiven Fähigkeiten steuern, in kürzester Zeit vollbringen. Klar wird dadurch aber auch, dass nicht all diese Prozesse gleichermaßen bewusst ablaufen können. Es ist sogar der wesentlich kleinere Teil, der in unser Bewusstsein gelangt, und damit einer Reflektion zugänglich ist. In diesem Sinne umfasst unser Denken also alle kognitiven Prozesse, von denen der größere Teil unbewusst abläuft, wenn wir Situationen individuell erleben. Darin ist das Denken dem Fühlen sehr ähnlich, denn von unseren Gefühlen und Körperempfindungen wird uns auch nur ein Teil bewusst. Und ein noch wesentlich kleinerer Teil obliegt unserer Kontrolle.

 

Um auf das Beispiel mit dem „Geschäftsessen plus“ zurückzukommen: Wenn wir z.B. in beruflichen Dingen eher kompetent auftreten und in privaten häufig unsicher sind, hat dies einen wesentlichen Einfluss auf unsere Bewertung der Situation und damit auf unser Erleben. Ebenso kann entscheidend sein, ob uns gerade Karriereziele sehr wichtig sind oder wir verzweifelt unserem Single-Dasein zu entfliehen versuchen. Wie haben wir frühere, vergleichbare gesellschaftliche Ereignisse erlebt? Mit welchen Eigenschaften oder Fähigkeiten konnten wir glänzen und welche Geschehnisse sind mit unangenehmen Erinnerungen verknüpft? 

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass unsere Erfahrungen, unsere Werte, unsere Ziele und unser Selbstbild wesentliche Komponenten sind, wie wir eine Situation als Ganzes und einzelne Ereignisse in dieser Situation kognitiv bewerten. Diese gedankliche Bewertung ist zusammen mit unseren Empfindungen verantwortlich für unser Erleben. Und wie wir etwas erleben bestimmt entscheidend, wie wir uns verhalten.

 

Hindernisse überwinden, ist der Vollgenuss des Daseins!

(Arthur Schopenhauer)