Verhalten (Handeln oder Nicht-Handeln als Verhaltensmuster)

Wir verhalten uns immer! Denn sowohl Handeln als auch Nicht-Handeln ist Verhalten. Die Frage ist: Treten wir in Kontakt mit unserer Außenwelt oder bleiben wir in uns selbst versunken? Inwiefern individuelle Präferenzen für das eine oder andere unsere Persönlichkeit prägen, dazu mehr im Abschnitt "introvertiert oder extrovertiert". Hier wollen wir uns mehr damit beschäftigen, wie es vom Erleben zum Verhalten kommt.

 

Diese Erkenntnis wird nicht jedem gefallen, aber unser Verhalten ist viel weniger in jedem Augenblick frei von uns wählbar als mancher vielleicht annimmt. Ähnlich wie Gedanken und Gefühle in unserem Gehirn verknüpft werden, je häufiger sie miteinander auftreten, so beginnen wir auch schon früh in unserem Leben, individuelle Verhaltensmuster abhängig von unseren Erlebnissen auszubilden.

 

Eine besondere Rolle spielt dabei das Belohnungssystem unseres Gehirns. Dort sorgt der Botenstoff Dopamin (umgangssprachlich auch als „Glückshormon“ bekannt) für euphorische Glücksgefühle. Unser Belohnungssystem hat jedoch nicht primär die Aufgabe uns glücklich zu machen. Evolutionsbiologisch dient es Lern-Motivator. Wenn ein Ereignis oder ein Verhalten Freude verursacht, schüttet unser Gehirn Glückshormone aus, damit wir uns daran erinnern und es wiederholen - je überraschender das freudige Erlebnis übrigens, desto intensiver die Hormonausschüttung.

(Nebenbei: Alkohol, Koffein, Nikotin und Kokain wirken allesamt über den „Neurotransmitter“ Dopamin auf das Belohnungssystems unseres Gehirns. Kein Wunder also, dass diese Stoffe leicht in die Abhängigkeit führen.)

 

Hingegen werden unangenehme - insbesondere mit Angst und Wut verbundene - Erlebnisse in einer Art Zentrum für negative Gefühleœ gespeichert, der sogenannten „Amygdala“ - auch als „Mandelkern“ bezeichnet. Sie werden ebenfalls erinnert, wenn ein Reiz auftritt, der nach unseren eigenen inneren Bewertungskategorien Ähnlichkeiten mit einem früheren Ereignis aufweist.

 

Belohnungssystem und Angstzentrum sind die emotionalen Protagonisten unserer Verhaltensmuster. Und Verhaltensmuster bestimmen unser Verhalten in den jeweiligen Situationen häufiger als der viel gepriesene „freier Wille“. Hat ein Verhalten zu einem für uns günstigen Ergebnis geführt, werden wir es wiederholen. Je erfolgreicher wir es erlebt und abgespeichert haben, desto mehr neigen wir dazu, es in möglichst vielen als ähnlich bewerteten Situationen zu reproduzieren. Hierbei spielen dann wieder unsere kognitiven Bewertungsraster eine wichtige Rolle, die - größtenteils unbewusst - die Kriterien festlegen, nach denen wir Situationen als vergleichbar einordnen.

 

Im Zweifelsfall haben wie die Neigung, lieber auf bekannte Verhaltensmuster zurückzugreifen als etwas Neues auszuprobieren. Ein vorhersehbares mittelprächtiges Ergebnis wird letztlich lieber in Kauf genommen als zu riskieren, einer Situation gegenüberzustehen, in der wir auf keine Erfahrung und damit auch auf kein Verhaltensmuster zurückgreifen können. Zu stark ist die Verknüpfung von Erleben und Verhalten, die unsere Handlungsentscheidungen in den meisten Situationen automatisiert.

 

Um noch ein letztes Mal das Beispiel des „Geschäftsessens plus“ aufzugreifen: Wenn wir schon mehrfach mit bescheidenem Beifall zu den ausschweifenden Erfolgsberichten unseres Chefs gute Erfahrungen gemacht haben, während unsere bisherigen Flirterlebnisse eher mit Angstschweiß verknüpf sind, können wir uns noch so einsam in unserem Leben fühlen. Unser Gehirn wird mit großer Zuverlässigkeit über unser Wahrnehmen, Fühlen und  Denken jene Verhaltensmuster aktivieren, die mit beruflichen Situationen verknüpft sind.

 

Hindernisse überwinden, ist der Vollgenuss des Daseins!

(Arthur Schopenhauer)