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Glücksgefühle und Glückshormone

Für unsere positiven Empfindungen benutzen wir neben der „Freude“ eine Reihe anderer Begriffe. So sprechen wir auch davon, glücklich, zufrieden oder euphorisch zu sein, wenn wir uns beispielsweise über eigene Leistungen oder etwas uns Wohltuendes freuen. Auch wenn es im allgemeinen Sprachgebrauch keine trennscharfen Abgrenzungen für diese Begriffe gibt, ist eine Differenzierung unterschiedlicher positiver Empfindungen und Stimmungen sinnvoll. Und zwar auch unter dem Aspekt der verschiedenen sog. „Glückshormone“, die unser Körper produziert und bei passender Gelegenheit freisetzt.

 

Der allgemeine und der situative Glücksbegriff

 

Der Begriff Glück wird meiner Erfahrung nach in zwei unterschiedlichen inhaltlichen Kontexten gebraucht. Zum einen ist Glück eine Art Oberbegriff für verschiedene positive Gefühle (wie Zufriedenheit oder Euphorie), die so intensiv erlebt werden, dass die „Glücksgefühle“ bewusst wahrgenommen werden („Ich fühle mich glücklich!“).

 

Zum anderen werden mit Glück oft situative Freudenmomente bezeichnet, die spontan kommen und meist auch schnell wieder verfliegen („Das hat mich glücklich gemacht!“). Diese spezielle Form der Glücksempfindungen korrespondiert in hohem Maße mit den Erwartungen an die jeweilige Situation oder Person. Eine wichtige Komponente von spontanen Glücksgefühlen ist nämlich der Überraschungsfaktor, das heißt die Freude ist zumeist umso größer, je weniger mit dem konkreten Glücksfall gerechnet wurde. Daher steigt die Chance auf Glücksmomente mit der Unvoreingenommenheit ggü. einem künftigen Ereignis. Und umgekehrt steigt die Enttäuschungs-Wahrscheinlichkeit mit den Erwartungen.

 

Freudvolle Verbundenheit

 

Wie im Abschnitt „Freude und Trauer“ näher ausgeführt, spielt die Freude eine herausgehobene Rolle als Bindungs-Emotion. „Geteilte Freude, ist doppelte Freude!“ Auf biochemischer Ebene ist hierbei besonders das manchmal als „Bindungshormon“ bezeichnete Oxytocin hervorzuheben. Es wird in vielen Situationen ausgeschüttet, die mit tiefen Verbundenheits-Erlebnissen einhergehen, so beispielsweise beim Geburtsvorgang, in der Stillzeit sowie beim und nach dem Sex (in geringeren Dosen auch bei Umarmungen und anderen Zärtlichkeiten). Der Bindung und Vertrauen begünstigende Effekt des Oxytocin wirkt auf der körperlichen Ebene entspannend, beruhigend und manchmal gar müdigkeits-fördernd (durch Verringerung von Blutdruck und Stresshormonen).

 

Ergänzt wird Oxytocin als Bindungs-unterstützendes Hormon von Prolaktin, einem Hormon, dass das Brutpflegeverhalten nach der Geburt bei Menschen und anderen Säugetieren fördert. Dies gilt - wenn auch in niedrigerer Dosierung - auch für den männlichen Elternteil. Man sieht daran, wie tief die Freude an der intensiven Bindung zum eigenen Nachwuchs und zu Partnern genetisch in uns verankert ist.

 

Im Rausch der Euphorie

 

Euphorie als kurze, heftige Gefühlsaufwallung wird insbesondere bei Erfolgen (insb. beruflich oder sportlich) oder bei der Erreichung von wichtigen Zielen empfunden. Prädestiniert für euphorische Empfindungen sind also vor allem Personen mit einer hohen Leistungsbereitschaft. Auch die Eroberung von begehrten Objekten wirkt in der Regel euphorisierend.

 

Auf biochemischer Ebene spielt der Neurotransmitter Dopamin bei der Euphorie eine herausragende Rolle. Gerade in Verbindung mit dem Leistungs- und Motivations-fördernden Noradrenalin sorgt Dopamin für eine kurzzeitige Steigerung des Selbstwertgefühls sowie des Zutrauens in die eigenen Fähigkeiten. Müdigkeits- und Hungergefühle werden gehemmt. Suchtmittel wie Alkohol, Nikotin, Koffein und vor allem Kokain wirken unmittelbar auf das Dopamin-System, haben also eine euphorisierende Wirkung. Daher ja auch der Suchtcharakter dieser Substanzen!

 

Der stille Genuss der Zufriedenheit

 

Man könnte sagen, dass Zufriedenheit am anderen Ende der Glücksgefühl-Skala liegt. Sie verschafft ein nicht so intensives Glücksgefühl wie die Euphorie, hat dafür aber die Eigenschaft, dauerhafter sein zu können. Zu einem Gefühl „wohliger Zufriedenheit“ trägt in der Regel die ausreichende oder gar exquisite Befriedigung von Grundbedürfnissen bei – also genussreiches Essen und Trinken, genügend Schlaf, ein sicheres und behagliches Zuhause. Auch die Erreichung von selbst gesteckten Langfrist-Zielen und Sinnerfahrung im eigenen Tun und Handeln können Zufriedenheits-Gefühle erzeugen.

 

Für das Empfinden von Zufriedenheit spielt das gerne als „Glückshormon“ bezeichnete Serotonin eine maßgebliche Rolle. Dieser Neurotransmitter wirkt vor allem Angst-lösend und begünstigt so ein gelassenes Lebensgefühl - im Gegensatz zum Begehren und Risikobereitschaft weckenden Dopamin.

Im täglichen Miteinander treffen wir immer wieder auf Menschen, die entweder einen Hang zu Aufregung und Risiko oder zu Behaglichkeit und Bequemlichkeit haben. Polarisierend überspitzt könnte man also zwischen den Euphorie-süchtigen Dopamin-Typen und den genügsam-zufriedenen Serotonin-Typen unterscheiden.

Hindernisse überwinden, ist der Vollgenuss des Daseins!

(Arthur Schopenhauer)

Küken im Ei