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Die hippokratische Temperamentenlehre

Die Temperamentenlehre ist die älteste bekannte Persönlichkeitstypologie und geht auf den griechischen Arzt Hippokrates von Kos zurück, der um 400 v.Chr. lebte. Die damalige wissenschaftliche Hypothese lautete, dass die unterschiedlichen Charaktere mit den vier „Körpersäften“ Blut, Schleim sowie gelbe und schwarze Galle zusammenhingen. Daher leiteten sich die Namen der vier Persönlichkeitsstrukturen bzw. Temperamente „Sanguiniker“, „Phlegmatiker“, „Melancholiker“ und „Choleriker“ aus den griechischen Wörtern für diese vier Körperflüssigkeiten ab.

 

Im Folgenden eine kurze Beschreibung, welche Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale diesen vier Typen in der Temperamentenlehre zugeschrieben werden:

 

Choleriker

 

Eigenschaften:

Ehrgeizig, direkt, mutig, willensstark, produktiv, unabhängig, abenteuerlustig, selbstständig, sicher, selbstbewusst, überzeugend, energisch, hartnäckig, bestimmend, einfallsreich, entscheidungsfreudig, aktiv, hitzig    aber auch 

Dreist, manipulierend, überheblich, arbeitssüchtig, dominierend, abweisend, ungeduldig, streitsüchtig, herrisch, stolz, dickköpfig, unbesonnen, intolerant, stur, taktlos, egozentrisch, hitzköpfig, theatralisch

 

Der willensstarke und durchsetzungsfähige Choleriker ist eine ideale Führungspersönlichkeit. Er sprüht vor Ehrgeiz, trifft schnell und sicher Entscheidungen, langweilt sich jedoch schnell bei Einzelheiten. Da er sich selten entmutigen lässt und Autorität beansprucht, erreicht er seine Ziele oft. Choleriker haben jedoch in der Regel wenig Mitgefühl und lieben mehr sich selbst als andere. Dass sie die Nöte anderer Menschen selten spüren, erleichtert es ihnen, ihre Mitmenschen auszunutzen, wenn es ihren Interessen dient. Cholerikern fällt es schwer, sich auszuruhen und nichts zu tun. Sie sind in der Regel dominant, manchmal auch streitsüchtig und fanatisch. Zusammen mit seinem wenig ausgeprägten Willen zu vergeben und seiner geringen Frustrationstoleranz führt dies schnell zur Rachsucht. Außerdem haben sie oft eine Neigung, sich im schönen Schein zu sonnen.

 

Phlegmatiker

 

Eigenschaften:

Anpassungsfähig, geduldig, tolerant, schüchtern, beständig, diplomatisch, vermittelnd, humorvoll, verbindlich, beherrscht, zurückhaltend, friedlich, ausgeglichen, genügsam, freundlich, vernünftig, beharrlich, ruhig    aber auch 

Zweifelnd, starr, sorgenvoll, unbeteiligt, zögernd, lässig, ziellos, unschlüssig, ängstlich, langsam, unauffällig, gleichgültig, träge, widerwillig, begeisterungslos, spröde, zaghaft, unterwürfig,

 

Phlegmatiker sind friedliebend, ruhig und meistens mit allem so zufrieden, wie es gerade ist. Sie halten einmal akzeptierte Arbeitsläufe zuverlässig ein und eignen sich daher für Spezialisten-Tätigkeiten. Jeden Tag vor neue Probleme gestellt zu werden, die Änderungen und Kreativität erfordern, ist ihnen ein Greul. Er ist nicht gerade begeisterungsfähig und braucht oft Druck, um zügig zu arbeiten, da er am liebsten möglichst wenig tut. Durch seine Passivität und Gleichgültigkeit, kann er andere schnell entmutigen und dann auch selbstgerecht wirken. Ein Phlegmatiker ist ein guter Diplomat und Friedensstifter, da er gutmütig ist und mit anderen unkompliziert auskommt. Er lacht selten laut, ist dafür aber bekannt für seinen trockenen Humor. Manchen wird auch ein Hang zum Geiz nachgesagt.

 

Sanguiniker

 

Eigenschaften:

Verspielt, überzeugend, fröhlich, gesprächig, beliebt, kontaktfreudig, optimistisch, gesellig, spontan, lustig, lebhaft, erfrischend, anregend, munter, überschwänglich, gutmütig, sorglos, hoffnungsvoll, zufrieden    aber auch 

Naiv, inkonsequent, rastlos, wankelmütig, reizbar, nachgiebig, unverschämt, undiszipliniert, vergesslich, willkürlich, unberechenbar, redselig, unorganisiert, angeberisch, zerstreut, oberflächlich, aufdringlich

 

Sanguiniker kommunizieren mimisch und gestisch expressiv, sprechen mitreißend und warmherzig, nehmen es dabei aber mit der Wahrheit nicht immer ganz so genau. Sie haben selten die Ruhe aufmerksam zuzuhören, lassen sich leicht ablenken und wirken unkonzentriert. Sie versuchen mit möglichst vielen Menschen in Kontakt zu kommen und stehen dabei gerne im Mittelpunkt, da viele von ihnen süchtig nach Anerkennung und Bewunderung sind. Sanguiniker können andere verletzen, ohne es selbst zu merken. Obwohl Sanguiniker mitfühlend sind und einen großen Freundes- und Bekanntenkreis haben, sind Freundschaften mit ihnen jedoch oft oberflächlich. Sie sind wenig zuverlässig und vergessen oft ihre Verabredungen und Versprechungen, weil sie unorganisiert und undiszipliniert sind. Leicht sind sie für Neues und Unbekanntes zu gewinnen und haben die Gabe, eine motivierende Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Leider beenden sie selten Projekte und erreichen daher auch kaum ihre Ziele. Ideen zu haben und andere davon zu überzeugen bereitet ihn mehr Freude als zu arbeiten.

 

Melancholiker

 

Eigenschaften:

Sensibel, ordentlich, treu, loyal, aufopferungsvoll, tiefgründig, organisiert, planend, hartnäckig, genau, respektvoll, idealistisch, rücksichtsvoll, bescheiden, nachdenklich, gewissenhaft, musisch

  aber auch 

Kritisch, launisch, unsicher, selbstzweiflerisch, kontaktscheu, schüchtern, kleinlich, skeptisch, verschlossen, ernst, gedankenvoll, pessimistisch, anspruchsvoll, überempfindlich, misstrauisch, unpraktisch, ängstlich, besorgt

 

Ein Melancholiker verhält sich unauffällig und versucht, keinen Anlass zu geben, etwas Schlechtes über ihn zu denken. Durch seine pessimistische, nach innen gekehrte Art wirkt er oft launisch und schwermütig. Sein Hang zum Perfektionismus lässt ihn allem gegenüber äußerst kritisch sein, was andere schnell entmutigen kann. Fühlt er sich zu Unrecht kritisiert, zieht er sich zurück und kann misstrauisch, nachtragend und sogar feindselig werden. Auf der anderen Seite ist er aber ein loyaler und ehrlicher Freund sowie ein guter Zuhörer mit einem großen Einfühlungsvermögen. Er plant genau, gewissenhaft und gründlich. Wenn er etwas anfängt, beendet er es meistens auch. Er analysiert ein Problem theoretisch bis ins kleinste Detail, wodurch er sich bei Entscheidungen oft schwer tut und Angst vor Veränderungen hat. Viele Erfinder und Wissenschaftler haben diesen eher eigenbrötlerischen Persönlichkeitstypus, da sie sich selten mit etwas Erreichtem zufrieden geben und ihnen nichts gut genug ist. Außerdem sind die meisten Melancholiker auch wenig praktisch begabt.

Die Liebe ist die kleine Schwester des geliebten Lebens!

(Botho Strauss)

Erdmännchen