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Selbsturteile (Selbstbewertung als unbewusste Glaubenssätze)

Der früheste und tragfähigste Pfeiler unseres Selbstwertgefühls, die Selbstliebe, reift in einem Zeitraum, in dem wir noch über keinerlei sprachliche Fähigkeiten verfügen. In der späteren Entwicklung erschließen wir uns dann mit dem Erlernen von Sprache neue Möglichkeiten, uns und unsere Umwelt zu erfahren. Eine wesentliche ist das verbale Einschätzen und Bewerten von uns selbst und anderen. Besteht unsere früheste Gefühlswelt aus Schwarz oder Weiß (geliebt oder ungeliebt, angenommen oder abgelehnt, befriedigt oder unbefriedigt), ermöglicht die Kombination aus Spracherwerb und erwachendem Ich-Bewusstsein Differenzierungen wie „Ich bin /bin nicht …“, „Ich habe/habe nicht …“, „Ich kann/kann nicht …“ etc.

Hinzu kommt unser Bedürfnis nach Vereinfachungen und Generalisierungen, die es uns erleichtern, die unzähligen auf uns einströmenden Reize zu sortieren und zu verarbeiten. Sobald es uns kognitiv möglich ist, beginnen wir automatisch Strukturen aufzubauen, um die vielen täglichen Ereignisse schneller einordnen, bewerten und entsprechend reagieren zu können. Dies sind die sogenannten „Schubladen“, in die wir uns auch selbst einzuordnen pflegen.

 

Aber nach welchen Maßstäben tun wir dies? Folgen wir dabei unserer Intuition und/oder unserem eigenen Werteempfinden? Ab wann entwickeln wir überhaupt ein Wertesystem? Und woraus speist es sich?

 

Die Eltern sind in der Regel die Ersten, die Werturteile über uns fällen. Da wir zum einen von ihnen abhängig sind und zum anderen darauf gepolt, dass „die Kleinen“ von „den Großen“ lernen, integrieren wir die Bewertungen der Eltern über uns zunächst kritiklos in unser Selbstbild. Mutter und Vater machen jedoch ebenfalls genau das, was oben bereits beschrieben wurde: Sie generalisieren, um durch vereinfachende Werturteile (die Schubladen) die Komplexität ihres Lebens zu reduzieren.  

Auf diese Weise werden aus Einzelerlebnissen verallgemeinernde Selbstbewertungen. Aus „ich habe Furcht vor …“ wird schnell „Ich bin ängstlich!“ oder „Ich bin feige!“. Aus „ich fühle eine Stinkwut auf …“ wird „Ich bin aggressiv!“ oder oft auch „Ich bin ungezogen“!“. Aus „ich bin traurig, weil …“ wird „Ich bin schwach!“ oder „Ich bin ein Waschlappen!“. Und aus „ich habe Schmerzen wegen …“ wird vielleicht „Ich bin wehleidig!“. 

 

Diese Beispiele, die wohl jeder aus eigener Erfahrung kennt, veranschaulichen eine wichtige therapeutische Erkenntnis: So wie wir als Kind von unseren Eltern bewertet wurden, so urteilen wir später selbst über uns. Und diese Selbsturteile üben einen starken unbewussten Einfluss darauf aus, was wir uns zutrauen (Selbstvertrauen) und wie wir Anderen gegenübertreten (Selbstsicherheit).

Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt!

(Albert Schweitzer)

Hund und Katze